
Krise der Banken. Krise der Finanzsoftware?Wiesbaden, 19.05.2009 - Vieles spricht dafür, dass wir gegenwärtig Zeugen eines abrupten, aber nachhaltig wirkenden Umbruchs der globalen Marktwirtschaft sind. Mit der aktuellen Finanzkrise sind wir laut des ehemaligen US-Notenbankchefs Alan Greenspan in der heftigsten Erschütterung seit dem Zweiten Weltkrieg. Die unangefochtene Vorherrschaft des angelsächsischen Finanzkapitalismus läuft aus. Die globale Ökonomie wird und muss sich neu formieren.
Die vergangenen Jahre waren geprägt von den Hedge-Fonds oder Private Equity, die die Manger zu immer neuen und höheren Zielen trieben. Einziges Geschäftsziel eines Unternehmens bestand in der Gewinnmaximierung. Diese angelsächsische Mentalität setzte sich immer mehr und auch in Europa durch. Unternehmen wurden auf ihren Börsenwert reduziert. Die Leistung eines Unternehmens, ob Produktion oder Dienstleistung, stand nicht im Vordergrund. Dabei geht es auch um die Kunden, um die Mitarbeiter, die Gesellschaft - und nicht allein um bilanzielle Kennziffern, um Ebit oder ROI. Aber was sagte ein Manager: "Wir haben keine Zeit für Strategien. Wenn wir unsere Quartalszahlen nicht erreichen, gibt es uns vielleicht bald nicht mehr. Langfristig denken bedeutet für uns, kurzfristig zu denken." Kennen sie Greshams Gesetz? In der Währungstheorie besagt dieser Grundsatz, dass schlechtes Geld das gute verdrängt. Das bedeutet bezogen auf Unternehmen, dass das Nachdenken und die Gespräche auf Managementebene über schlechte Abläufe so viel Raum einnehmen, dass für positive strategische Überlegungen keine Zeit bleibt. Dies wird dann noch unterstützt, wenn die Finanzsoftware des Unternehmens Tabellen nur so ausspuckt.
Wer sich die Tabellen der "großen" Finanzsoftware angesehen hat, der weiß, dass zu viel Informationen den Informationsempfänger überfordern, weil die Aufnahme-, Verarbeitungs- und Speicherkapazität des Menschen für Informationen begrenzt ist.
Und was haben die Informationssysteme der IKB oder der HRE genutzt? Wo waren die VaR-Betrachtungen, wo war die Kontrolle über den Zahlungsausgang? Natürlich ist es sehr bequem, alles zu automatisieren. Aber der Geldverkehr benötigt besonderen Augenmerk. In den familiengeführten Unternehmen in Deutschland ist dies noch vielerorts gegeben, dass der Zahlungsverkehr vom Inhaber persönlich überwacht wird. Auf der anderen Seite ist dies natürlich eine lästige Aufgabe. Aber es gibt Möglichkeiten, die einem auch unterwegs die sichere Kontrolle gewährleisten und den automatisierten Ablauf unterbrechen und überwachen lassen. Vielleicht sollte man doch überlegen, ob wir alles dem Computer überlassen sollten. Es ist zur Zeit ein Trend, alles zu automatisieren, so gibt es bei Banken das System, dass automatisch Kurse überwacht, sei es im Wertpapier oder Währungsbereich. Falls definierte stop loss Grenzen überschritten werden. Dann handelt das System eigenständig, sehr bequem!? Ach ja, der daraus resultierende Zahlungsverkehr wird natürlich auch automatisiert ausgeführt. Da können natürlich auch mal Zahlungen in Millionenhöhe an ein Unternehmen gezahlt werden, dass sich bereits in der Insolvenz befindet. Machen Sie sich noch immer keine Gedanken um Ihren Zahlungsverkehr?
Durch die Bankenkrise werden von den Banken verschärfte Kreditkontrollen eingeführt und die Kreditvergabe erschwert oder sogar unmöglich gemacht. Die Finanzierung aus Eigenmitteln bekommt somit wieder den Stellenwert, der ihr gebührt. Auch in diesem Zusammenhang ist die Frage nach dem Zahlungsverkehr zu stellen. Kreditoren- und Debitorenmanagement sind in diesen Tagen noch immer ein stiefmütterlich behandeltes Thema. Aber Zahlungen früher zu erhalten und Ausgänge strukturiert zu zahlen, ist bares Geld wert. Das ist Ihre eigene Liquidität, die Ihnen die eine oder andere Kreditaufnahme ersparen könnte. Einige Unternehmen haben dies jetzt in der Krise erkannt und geben der Liquidität eine hohe Priorität.
Bernd-Michael Gründemann


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